Sim City
(Verlag: Mayfair Games)

 Sim City ist ein Sammelkartenspiel in der Tradition von Magic, the Gathering. Es gibt also Starterdecks mit 60 Karten und dem Regelheft sowie Boosterpacks mit 15 Karten. In der Standartvariante benutzen alle Spieler zusammen ein Deck, das pro Spieler mindestens 25 bis 30 Karten enthalten muß. Mit Hilfe dieses Decks bauen die Spieler zusammen eine Stadt. In den meisten Spielzügen wird eine Karte ausgespielt und horizontal oder vertikal an eine bereits ausgespielte Karte angelegt. Die Karte stellt einen Stadtblock dar für dessen Ausspielen der jeweilige Spieler einen Geldbetrag auf seinem Konto gutgeschrieben bekommt. Es gewinnt der Spieler mit dem dicksten Konto.

 Eine Stadtblock-Karte besitzt eine Überschrift, die angibt, was auf dem Photo der Karte dargestellt ist. Weiterhin besitzt die Karte eine Stat-Box sowie eine Special-Box. Die Stat-Box gibt u. a. an, wie hoch der Wert der Karte ist. Neben weiteren Bonuswerten wird dieser Wert dem jeweiligen Spieler für das Ausspielen der Karte gutgeschrieben. Au&#223erdem gibt die Stat-Box an, ob in diesem Block Einwohner, genannt Sims, wohnen, oder ob für diesen Block Sims benötigt werden. Benötigte Sims müssen über die auf den Karten eingezeichneten Verkehrswege zum neu ausgespielten Block gelangen können, andernfalls ist das Ausspielen der Karte nicht gestattet. Weitere Angaben in der Stat-Box sind die Kriminalitätsrate sowie die Rate der Umweltverschmutzung, die durch den dargestellten Stadtblock verursacht wird. Diese beiden Werte beeinflussen den Bonus für ausgespielte Polizeistationen bzw. die Auswirkungen von Ereignis-Karten, die sich auf die Verschmutzung beziehen.

 Die Special-Box auf einer Stadtblock-Karte gibt an, ob Nebenbedinungen existieren, die für das Ausspielen der Karte gelten, und ob der in der Stat-Box angegebene Wert zusätzlich durch schon ausgespielte Karten beeinflu&#223t wird oder die Karte den Wert in Zukunft ausgespielter Karten beeinflu&#223t. Ein Beispiel für eine Nebenbedingung wäre: darf nur neben einem Berg liegen. Die Beeinflussung von Kartenwerten könnte z. B. erfolgen durch: erhalte zusätzlich zwei Dollar für jedes Museum im Umkreis von zwei Blöcken.

 Neben den bereits erwähnten Verkehrswegen, Stra&#223en und Schienen, können auf einer Stadtblock-Karte noch Stromleitungen eingezeichnete sein, die ebenfalls den Bonus für ausgespielte Karten beeinflussen. Schlie&#223lich besitzt jede Stadtblock-Karte noch eine von acht Farben, mit der die Überschrift und die Special-Box hinterlegt sind, sowie eine von vier Farben mit der die Stat-Box hinterlegt ist. Die Farbe hinter Überschrift und Special-Box gibt an, um welchen Typ von Block es sich handelt. Mögliche Blocks sind: Öffentliche Einrichtungen (z. B. Polizeistation oder Feuerwache), unberührte Natur, Wohngebiet, Industriegebiet (Fabriken), Gewerbegebiet (Dienstleistungsunternehmen), Regierungseinrichtungen (z. B. Gericht oder Gefängnis), Landwirtschaft oder Sonderblock (z. B. Burg am Rhein). Die Farbe, mit der die Stat-Box hinterlegt ist, gibt an, in welcher Phase des Spiels die Karte ausgespielt werden darf. Es beginnt mit der wei&#223en Phase der Besiedlung. In dieser Phase dürfen hauptsächlich Landwirtschaft und unberührte Natur ausgespielt werden. Die grüne Phase der Kleinstadt beginnt, sobald genügend Sims angesiedelt sind. In jeder Phase dürfen auch weiterhin die Karten der vorangegangenen Phasen gespielt werden. Die braune Phase der Gro&#223stadt beginnt, sobald der erste Spieler ein Kraftwerk ausspielt. Dies ist jedoch erst erlaubt, wenn genügend Karten ausgespielt wurden, die Sims benötigen. Die violette Phase der Metropole beginnt, sobald eine weitere Grenze der Einwohnerzahl überschritten worden ist.

 Sobald die braune Phase beginnt, wird das Spielgeschehen um Katastrophen und die Politik bereichert. Katastrophen werden durch ausgespielte Ereignis-Karten ausgelöst. Die Politik beginnt damit, daß der Spieler, der mit dem Ausspielen des Kraftwerks die braune Phase eingeleitet hat, automatisch zum Bürgermeister der Stadt wird. Gegenstand der Politik ist natürlich die Stadtentwicklung. In den ersten beiden Phasen des Spiels ist es nur dann erlaubt, bereits ausgespielte Karten durch neue Karten aufzuwerten und somit zu ersetzen, wenn die neue Karte denselben Blocktyp besitzen und entweder einen höheren Kartenwert oder Verkehrswege, oder Stromleitungen, die die alte Karte nicht besitzt. In der braunen Phase ist es auch erlaubt diese Bedingungen für die Ersetzung von Karten zu mi&#223achten. Dann ist es aber erforderlich über diese Ma&#223nahme der Stadtsanierung abzustimmen. Dabei hat der Bürgermeister zwei Stimmen und entscheidet bei Stimmengleichheit. Weitere Stimmen erhält man durch ausgespielte Stadtratsmitglieder oder dadurch, daß man sich für die jeweils anstehende Abstimmung zusätzliche Stimmen kauft.

 Ein weiterer Gegenstand von Abstimmungen ist der Zonenbonus, den man für eine ausgespielte Karte erhält, wenn diese ein Gebiet aus Stadtblöcken desselben Typs erweitert. Durch geschickte Nuztung seiner Macht kann der Bürgermeister also evtl. sein Konto aufbessern. Der Nachteil, Bürgermeister zu sein, ist, daß man für Schäden, die durch Ereignis-Karten verursacht werden aufkommen muß. Ein Bürgermeister kann auch wählen, nur die Hälfte des Schadens zu bezahlen und dadurch sein Amt zu verlieren. In diesem Fall können die Spieler das Amt ersteigern. Falls sich auf diese Weise kein neuer Bürgermeister findet, wird automatisch der links vom alten Bürgermeister sitzende Spieler zu dessen Nachfolger.

 In der violetten Phase schlie&#223lich ist es zusätzlich erlaubt, die bei Sim City besonderen langen Karten zu spielen, von denen ein separater Stapel existiert. Man kann in seinem Zug wahlweise vom normalen Stapel oder vom Stapel mit den langen Karten ziehen. Die langen Karten können zwei normale bereits ausgespielte Karten ersetzen. Jedes Boosterpack enthält neben den normalen Karten auch eine lange Karte. Um einen Stapel von langen Karten zu bekommen muß man also einige Boosterpacks kaufen.

 Der Spielablauf gestaltet sich einfach. Das Deck wird gemischt. Jedem Spieler werden sieben Karten verdeckt ausgeteilt. Die restlichen Karten bilden den Vorratsstapel. Es beginnt der zuvor bestimmte Startspieler. Die anderen folgen im Uhrzeigersinn. Zunächst dürfen nur die Karten der wei&#223en Phase gespielt werden. Sobald man an der Reihe ist, zieht man die oberste Karte vom Stapel. Dann spielt man eine Karte, sofern dies im Rahmen der Regeln möglich ist, und kassiert die Wertungen für die Karte, sofern es sich um eine Stadtblock-Karte handelt. Die Anzahl der Karten, die man auf der Hand halten darf, ist nicht begrenzt. Das Spiel endet, sobald ein Spieler in der violetten Phase 250 Dollar auf seinem Konto hat. Man kann natürlich auch eine andere Grenze festsetzen oder das Spiel nach einer vorher vereinbarten Zeitspanne abbrechen. Die Spieldauer liegt bei vier Spielern und der genannten Kontogrenze normalerweise zwischen zwei und drei Stunden.

 Als Varianten der Standartpartie sind in der Spielregel noch eine Duellversion und eine Solitärversion angegeben. In der Duellversion ist das Ziel, die eigene Stadt schneller wachsen zu lassen, als die des Gegners. In der Solitärversion ist das Ziel, mit einem gegebenen Deck bei begrenzter maximaler Kartenanzahl auf der Hand einen möglichst gro&#223en Wert auf dem Konto zu erreichen.

 Wenn man sich anhand des Regelheftes aus einem Starterdecks selbst einen Einstieg in das Spiel verschafft, bleibt der Spaß zunächst durch schlechte Deckzusammenstellung und Regelfehler auf der Strecke. Nach zwei oder drei beharrlich durchgehaltenen Partien hat man jedoch alle Zusammenhänge durchschaut. Hierzu sind bisher jedoch ausreichende Englisch-Kenntnisse Voraussetzung, da das Spiel in deutsch noch nicht erhältlich ist. Die Kartengestaltung und die Farbgebung der Schift-Boxen ist zwar sehr schön, aber leider etwas unpraktisch. Die Schrift ist insbesondere für ein Mehrpersonen-Spiel zu klein geraten. Insgesamt gesehen ist Sim City ein sehr schönes Spiel. Wenn es darum ginge, allein das Aussehen der Karten und die grundsätzliche Spielidee zu bewerten, wäre sicherlich die Note Eins angebracht. Für ein Spiel, das nicht nur zum Sammeln gedacht ist, hat jedoch letztendlich der Spielspaß und die Qualität des Spielmechanismuses entscheidende Bedeutung. Bei Sim City läuft das Spielgeschehen ständig Gefahr, sich hautpsächlich auf das Ausspielen und Werten von Karten zu beschränken, was bei aller Faszination spätestens nach 90 Minuten langweilig zu werden beginnt. Daher muß die Bewertung leider nach unten korrigiert werden.

 Holger Burbach

 


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On 12 May 2003, 23:41.